Zwischen Inseln und Auen
Ein neues Wohnquartier zwischen Lurzenhof und Auloh
Inspiriert von der natürlichen Flusslandschaft der Isar setzt unser prämierter Entwurf für ein neues Wohnquartier in Landshut auf eine starke Verzahnung von Siedlungsstruktur und Landschaftsraum. Sechs eigenständige Wohn-Cluster fügen sich wie Inseln in die grüne Umgebung ein und schaffen identitätsstiftende Nachbarschaften mit hoher Aufenthaltsqualität. Mit einem durchdachten Mobilitäts- und Freiraumkonzept entsteht ein lebendiges, zukunftsfähiges Quartier – urban und gemeinschaftlich zugleich. Für dieses Konzept wurden wir im städtebaulichen Wettbewerb mit dem 3. Preis ausgezeichnet.
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Projekt
Auen-Höfe
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Ausloberin
Stadt Landshut
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Nutzung
Wohnen, Schule und Gewerbe
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BGF
33.135 m²
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Ort
Landshut
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Leistung
Entwurf
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Wettbewerb
2025, 3. Preis
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Zeitraum
2025
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Landschaftsplanung
weihrauch+fischer GmbH
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Stadtplanung
tobeSTADT
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Modellbau
Henrik Birnbaum
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Visualisierung
FLOOER
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Wettbewerbsbetreuung
oberprillerarchitekten
Inspiriert von der natürlichen Flusslandschaft
Die charakteristische Flusslandschaft der Isar mit den vorgelagerten Schwemmland weckt Assoziationen an Inseln, Terrassen und Flusssteine, die frei in der Landschaft liegen. Dieses Bild greifen wir auf, um der besonderen Lage „Mitten im Grünen“ Rechnung zu tragen. Der Grünzug, der sich von den Hangleiten zu den Isarauen und der Isar erstreckt, wird gedanklich erweitert und in das neue Quartier integriert. Sechs eigenständige Wohn-Cluster werden von der Landschaft „umspült“.
Zum Dorf hin im Südosten verschränkt sich ein Cluster mit der orthogonalen Struktur der Bildungs- und Kultureinrichtungen und bildet ein Verbindungsglied (Gelenk) zum Bestand sowie zum neuen Quartier. Hier ist das Zentrum verortet, mit einem kleinen Verteilerplatz, der in den angrenzenden „Dorfanger“ übergeht. Dieser Bereich wird durch zentrale Einrichtungen (Kita) und kleine Infrastruktureinrichtungen belebt, wie beispielsweise ein Café/Eisdiele, ein Biergarten, Bäcker, Pflegestation, kleine Werkstätten sowie Flächen für externe Arbeitsräume (Homeoffice/Co-Working-Plätze).
Die Erschließung der einzelnen Cluster folgt der Logik eines klassischen Vierseitenhofs, der einseitig an die Straße anschließt und über den gemeinschaftlichen Wirtschaftshof als halböffentlichen Raum und Begegnungsort die einzelnen Häuser erschließt. Nach hinten und zu den Seiten schließen sich die Gärten, sowie der angrenzende Grünzug bzw. Landschaftsraum an.

Grün
Ökologische Vernetzung zwischen Landschaftsraum Hanglaiten und Isarauen

Flusssteine
Bezug zur Isar und den Isarauen - Assoziation Inseln, Terrassen und Flusssteine in der Landschaft und Schwemmland

Gelenk
Das Zentrum als Gelenk und Verknüpfung der vorhandenen Bildungs-/ Kulturachse zum Neuen Quartier
Jedes Wohn-Cluster bildet eine gut durchmischte Nachbarschaft mit unterschiedlichen Haus- und Wohntypologien, die vom Single- bis hin zum Familien- und Mehrgenerationenwohnen einen breiten Wohnungsmix zulassen.
Auszug Preisgerichtsprotokoll
Vielfalt in Typologie und Nachbarschaft
Jedes Cluster bildet eine eigene Nachbarschaft mit unterschiedlichen Haus- und Wohntypologien, vom Familienhaus bis zu Single- und Zwei-Personen-Haushalten, Jokerzimmern, Mehrgenerationen- und Clusterwohnen. Diese Vielfalt ermöglicht Schrumpfen und Wachsen (Flexibilität), fördert Privatsphäre und Gemeinschaft. Am Eingang der Cluster, entlang des Quartiersweges, befinden sich im Erdgeschoss jeweils Fahrradstellplätze und Werkzeug-Reparaturstationen, die sich zum Quartier, den Gemeinschaftsflächen sowie zum Hof hin orientieren. Trotz gleicher Grundstruktur erhält jeder Hof durch die Freiraumgestaltung als Gemeinschaftsort und durch seine Ausrichtung zur Landschaft, zum Park oder Plateau sowie durch markante Blickachsen einen eigenen Charakter.

Bauabschnitte
Cluster ermöglichen sinnvolle Bauabschnitte. Mit den ersten sind bereits zentrale Infrastruktureinrichtungen abgedeckt

Nutzung
Energieeffiziente und ressourcenschonende Bauweise. Kompakte und flächensparende Gestaltung.

Flächen und Wohneinheiten
Flexible Wohnstrukturen / Sozialer Wohnungsbau
mit einer ausgewogenen Durchmischung durch
unterschiedliche Haus- und Wohnungstypologien.
Wohnfläche 30.035 m²
Gemeinschaftsflächen 1.450 m²
Gewerbeflächen 800 m²
Kita 850 m²
Bolzplatz, Nachbarschaftsgärten, Retentionsflächen, Tiny-Forest, Bienenwiese als Inseln in der Landschaft
Hof als zentraler Verteiler und Gemeinschaftsfläche, Treffpunkt, Nachbarfeste und Wohnzimmer
Mobilitätszentrale
Parkdeck mit Sharing-Angeboten
Car-Sharing, Lastenräder, Ladestationen
Rückbaubar und Ergänzung der Wohnbebauung
Klimaquartier
Plateauhof mit Pavillon
Verbindung zum Spielplatz im Bestandsdorf
„Dorfanger“
Zentrum mit Infrastruktureinrichtungen Café, Gewerbe, Co-Working, Bäcker
Treffpunkt und Sitzplätze
Zentrum mit Kita als Gelenk zum Bestand
Ideenteil: Erweiterung Schule
Synergien und Doppelnutzung der Doppelsporthalle auch für Vereine, Nutzung der Aula und Foyer für Veranstaltungen
Reduzierung des Individualverkehrs
Holz- und Bringzone im Bereich des vorhandenen Parkplatzes
Landschaftsraum als verbindendes Element
Der Landschaftsraum im Süden weitet sich Richtung Lurzenhof und bietet einen Blick in die Ferne, geprägt von einzelnen Baumgruppen, einer Streuobstwiese, sowie den Retensionsinseln. In den Zwischenräumen der Cluster, mit den angrenzenden und offenen Privatgärten, verdichtet sich der Naturraum und erhält einen natürlichen Charakter. Hier dominieren Gräser, einzelne Bäume als Verschattungselemente sowie begleitende Entwässerungsläufe. Nach Norden zum Friedhof hin ist der Freiraum parkähnlich gestaltet, mit großen Bäumen, die bis zum Dorfanger des neuen Quartiers reichen. Diese parkähnliche Landschaft wird in Richtung Isar und Siedlung Auloh fortgesetzt. Der Entwässerungsgraben wird dabei als verbindender Grünraum gestaltet, der über eine Brücke und Flusssteine überquert werden kann und so die Siedlung mit dem Quartier verbindet. Richtung Isar löst sich die parkähnliche Landschaft auf und geht in das Schwemmland über.
Ziel ist es, ein identitätsstiftendes, lebendiges Quartier zu schaffen, das durch seine Gliederung, Setzung und ausgewogene Dichte einerseits als urbanes Quartier die „Auen-Höfe“ erlebbar wird und gleichzeitig kleinere Nachbarschaften bildet, die einen familiären und gemeinschaftlichen Charakter ermöglichen. Durch die Setzung und Höhenstaffelung von niedrig bis hoch entstehen weite und enge Räume, die eine städtische Dichte nach innen schaffen und gleichzeitig nach außen auf die Umgebung und den Bestand reagieren durch ihre Höhenentwicklung vermitteln.
Insgesamt ist die Vernetzung zum Bestand und zu den Freiräumen positiv hervorzuheben, besonders auch die Anordnung des öffentlichen Hofes im Zusammenhang mit der Schule und dem bestehenden Kindergarten.
Auszug Preisgerichtsprotokoll
Erschließungskonzept und Mobilität
Das Quartier wird über Kanalstrasse vom Norden und später auch über Landesstrasse LA 14 im Südosten erschlossen. Zwei Parkdecks, fangen den MIV an beiden Zufahrten ab, somit wird das Quartier weitgehend autofrei gehalten. Dort sind auch die Mobilitätszentralen mit Ladestationen, Sharing-Angeboten sowie Haltestellen für Ruf- und Sammeltaxis integriert. Zusätzliche dezentrale Besucher-, Behinderten- und Kurzzeitparkplätze werden in die grünen Inseln im Straßenraum eingebunden. Die Feuerwehr sowie Umzugs- und kleinere Transportfahrzeuge können kurzfristig direkt in die Höfe fahren.
Das Parkdeck im Südosten kann langfristig zurückgebaut werden und den Cluster als Wohncluster vervollständigen. Das Parkdeck im Norden kann weiterhin als Parkfläche, Lager und Abstellfläche genutzt werden.
Die Fahrradstellplätze sind dezentral im Quartier verteilt, jeweils am Eingang zu den Clustern, sowie zusätzlich in der Nähe der Hauseingänge und am Quartiersplatz. Die Rad- und Fußwege werden an das übergeordnete Verkehrswegenetz angebunden und somit direkt mit Lurzenhof, Auloh und dem Wohngebiet verbunden, was die Nutzung alternativer Verkehrsmittel attraktiver macht. Besonders die Fuß- und Radverbindung zur Schule, Kita und zum Kirchplatz wird deutlich gestärkt und bildet eine zentrale Erschließung ins Quartierszentrum.
Die Haltestelle an der LA 14 wird in Richtung Süden verlegt, um sowohl für das neue Quartier im Süden als auch für das Quartier der Auen-Höfe eine bessere Erreichbarkeit zu gewährleisten. Insgesamt trägt die klare Erschließung dazu bei, den notwendigen Versiegelungsanteil zu reduzieren. Versickerungsfähige Beläge, kombiniert mit entsiegelten und intensiv begrünten Wegflächen, verhindern eine Aufheizung des Quartiers.
Ein Lebensraum mit Verantwortung
Das geplante Quartier basiert auf einer durchdachten Bauweise mit vorgefertigten Modulbau- und Holz-Elementen aus der Region. Diese Methode ermöglicht nicht nur eine klimafreundliche und wirtschaftliche Umsetzung, sondern bietet auch die Flexibilität, bei Bedarf Elemente zu versetzen oder zu entfernen. So bleibt das Quartier auch langfristig anpassungsfähig und lebendig. Die flächensparende Bebauungsstruktur und geradlinigen Gebäudetypen, sowie der weitgehende Verzicht auf aufwändige Unterkellerungen reduzieren den CO₂-Ausstoß und den Versiegelungsanteil. Gleichzeitig entstehen durch die unterschiedliche Zusammensetzung eine große Bandbreite und Durchmischung der Wohnungen.
Durch den Einsatz regenerativer Energien, begrünte Dächer und Fassaden sowie grüne Schattenspender im Stadtraum wird das Quartier zu einem Klima- und Nachhaltigkeitsort. Geplant ist der Anschluss an das Fernwärmenetz, alternativ eine zentrale Geothermie-Station. Ergänzend fördern attraktive Mobilitätsangebote den Umstieg auf umweltfreundliche Verkehrsmittel und stärken die langfristige Lebensqualität im Quartier.