Transformation statt Abriss
Potenziale des Offenbacher Kaiserleis zur Entwicklung eines nachhaltigen und zeitgemäßen Wohnquartiers
Das Entwicklungsgebiet Kaiserlei an der Stadtgrenze zu Frankfurt ist geprägt von den Betongerippen der ehemaligen Siemens-Türme, Symbol für den Stillstand des Viertels. Ziel ist eine zukunftsweisende Transformation zu einem lebendigen, dichten Quartier, inklusive modernem Wohnraum für Studierende im Rhein-Main-Gebiet. Dies führt zu einer natürlichen Belebung und einem Bedarf an vielfältigen Angeboten. Unsere Vision ergänzt die Bestandsbauten durch eine ganzheitliche Betrachtung und kombiniert serielles Bauen mit einer modernen, städtebaulich komplexen Struktur.
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Projekt
Campus Kaiserlei
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Bauherr
BECKEN Holding GmbH
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Nutzung
Wohnen, Gewerbe, Sport
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Ort
Offenbach am Main
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Leistung
Entwurf
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Status
Konzept
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SCRUM Team
Dreyer & Kollegen Real Estate GmbH
Schmidt Plöcker Architekten PartG mbB
D2 Gesellschaft für Brandschutzplanung mbH
HAZ Beratende Ingenieure für das Bauwesen GmbH
Ingenieurbüro Liebert Versorgungstechnik GmbH & Co. KG
OFB Projektentwicklung GmbH
Dörflinger Gesellschaft für Elektroplanung mbH & Co. KG
LUXESS DEVELOPMENTS GmbH
Drees & Sommer SE
Steuernagel Ingenieure GmbH
urban transformation architecture -
Bestandsfotos
Lars Gruber Architekturfotografie
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Visualisierungen
FLOOER
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Frankfurter Allgemeine Zeitung – 05.11.2024
Siemens-Türme könnten doch abgerissen werden
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Frankfurter Allgemeine Zeitung– 05.10.2024
Umbau der Betonskelette weiter ungewiss
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Frankfurter Allgemeine Zeitung – 25.04.2024
Wie die Chancen für den Kaiserlei stehen
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Frankfurter Allgemeine Zeitung – 22.10.2023
Mega-Projekt nimmt Gestalt an
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Frankfurter Allgemeine Zeitung – 06.10.2023
Studenten im Betonregal
Transformation am Kaiserlei: Eine neue Stadt in der Stadt
Die Ideen für die Transformation des Kaiserleis zielen auf die Entwicklung einer eigenständigen „Stadt in der Stadt“ – eines lebendigen Quartiers, das Austausch, kurze Wege und urbane Vielfalt fördert. Die markanten Siemens-Türme bleiben als identitätsstiftende Ankerpunkte bestehen und werden durch Neubauten ergänzt, die sich um öffentliche Plätze, Höfe und Gärten gruppieren. So entsteht eine vielschichtige Topografie aus Wegen, Ebenen und Freiräumen – ein stadträumliches Geflecht, das Kommunikation und Aufenthalt gleichermaßen ermöglicht.
Eine klare Abstufung zwischen öffentlichen, halböffentlichen und privaten Zonen stärkt das Sicherheitsgefühl und schafft Räume für Begegnung und Rückzug. Urbane Treffpunkte bilden die Mitte des neuen Quartiers – Orte, die gleichermaßen für Studierende, Familien und Berufstätige gedacht sind und eine dauerhafte Belebung sichern.
Die bestehenden Türme werden zu Studierendenwohnungen umgebaut, flankiert von Gebäuden mit maximal acht Geschossen, die barrierefreies Wohnen für alle Generationen ermöglichen. Insgesamt entstehen 1.502 Einheiten: 1.059 Studierendenzimmer, 374 Hostelzimmer und 69 Doppelzimmer. So wird aus dem ehemaligen Bürostandort ein durchmischter Lebensraum – mit offenen Rändern, grünen Höfen und einem neuen Verständnis von urbanem Wohnen.
Kooperative Entwicklung:
Transformation als Teamleistung
Das SCRUM-Team vereint Expertise aus Architektur, Stadtentwicklung, Technik und Projektsteuerung:
Dreyer & Kollegen Real Estate GmbH
Schmidt Plöcker Architekten PartG mbB
D2 Gesellschaft für Brandschutzplanung mbH
HAZ Beratende Ingenieure für das Bauwesen GmbH
Ingenieurbüro Liebert Versorgungstechnik GmbH & Co. KG
OFB Projektentwicklung GmbH
Dörflinger Gesellschaft für Elektroplanung mbH & Co. KG
LUXESS DEVELOPMENTS GmbH
Drees & Sommer SE
Steuernagel Ingenieure GmbH
urban transformation architecture
Gemeinsam entstand so eine zukunftsorientierte Vision für das Kaiserlei-Areal – getragen von einem offenen, agilen Planungsprozess und dem Anspruch, Stadtentwicklung als kollektive Aufgabe zu begreifen.
Urbane Offenheit: Ein Quartier für kurze Wege und gemeinschaftliches Leben
Nachhaltiges Mobilitätskonzept &
Gebäudetransformation durch serielles Bauen im Bestand
Das Quartier besticht durch ein Mobilitätspotenzial, welches eine gute Anbindung an Bus und S-Bahn sowie neue Radwege kennzeichnet. Dadurch werden Nachhaltigkeit, Gesundheit und ein geringerer Verkehr gefördert. Geplant sind Mietsysteme für Fahrräder und Autos sowie ein Parkdeck mit Carsharing und E-Mobilität, um den Autoverkehr zu reduzieren. Auf eine großflächige Tiefgarage wird verzichtet, um das Konzept einer „Schwammstadt“ mit grünen Flächen zur Regenwasserspeicherung zu realisieren, was das Mikroklima verbessert. Zudem wird der CO₂-Verbrauch durch regenerative Energiequellen wie Erdwärme und Photovoltaik gesenkt.
Die Gebäudetransformation setzt auf serielles Bauen im Bestand mit modularen Raumelementen und standardisierten Prozessen. Diese ressourcenschonende, effiziente und kostengünstige Bauweise erhöht Flexibilität und Resilienz des Gebäudes. Vorfertigung und reversible Verbindungen ermöglichen eine schnelle Bauzeit und geringere Emissionen. Die modulare Struktur kann je nach Bedarf angepasst werden und Bauteile sind am Ende der Nutzung leicht trennbar und wiederverwendbar. Leichtbau-Fassaden reduzieren die statische Belastung, Balkone entfallen und Module können bei Bedarf ausgetauscht werden.
Machbarkeit &
Terminschiene
Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie konnte herausgefunden werden, dass das Stahlbetonskelett der Türme eine solide statische Grundlage bietet. Bei einem Neubau der Bauteile A und B wäre ein Einsatz von 10.000 Tonnen Stahl und 100.000 Tonnen Beton nötig, was zu erheblichen CO₂-Emissionen führen würde.
Das Raumkonzept nutzt modulare Bauweise, bei der die Raumkonstruktion als vorgefertigte Box gedacht ist, die in das bestehende Gebäude eingeschoben wird. Nasszellen wie Dusche, WC und Waschbecken sind vormontiert. Aufgrund der niedrigen Einbringöffnungen im Bestand und der hohen Toleranzanforderungen gestaltet sich der modulare Bau als komplex. Um dennoch eine hohe Vorfertigungsrate zu ermöglichen, werden Module ohne Decke eingebaut und fehlende Wandbereiche durch Adapterwandstücke bis zur Betondecke geschlossen. Zusätzlich kann durch eine durchgängige Wassernebel-Löschanlage die Ausführung der Module als leichte Holzkonstruktion erfolgen.
Die Realisierung des Projekts ist im Hinblick auf das Bauvorhaben in einem kurzen Zeitraum umsetzbar. Binnen circa zwei Jahren sind Detailplanung und Herstellung des Mock-Ups, der serielle Produktionsstart der Modulzellen, sowie der tatsächliche Einbau der Zellen in die bestehenden Türme möglich.