Campusentwicklung im Bestand
Revitalisierung und Workplace-Strategie für Sanofi Bestandsgebäude im Industriepark Höchst
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Projekt
Sanofi Masterplan
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Bauherr
Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
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Nutzung
Büro- und Verwaltung, Forschung, Pharma
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Ort
Frankfurt am Main
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Leistung
Entwurf, Planung
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Status
Abgeschlossen
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Zeitraum
2022–2023
H450 – Transformation zur WorkX-Arbeitswelt
Mit dem Projekt „Sanofi Moves – H450“ wurde das Gebäude grundlegend neu gedacht. Die Umgestaltung der Ebenen 1 bis 5 folgte der globalen WorkX-Strategie und hatte das Ziel, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die Unternehmenskultur, Kollaboration und Zukunftsorientierung gleichermaßen stärkt.
Kernbaustein der Transformation ist das neu etablierte „Social Heart“ im 5. Obergeschoss. Eine zuvor ungenutzte Fläche wurde in einen lebendigen, identitätsstiftenden Mittelpunkt des Hauses überführt. Unterschiedliche Zonen – von Lounge- und Cafébereichen über großzügige Besprechungsräume bis hin zu kompakten Fokusräumen und einer zentralen Küchenlandschaft – bilden ein vielseitig nutzbares Raumgefüge. Die offene Struktur fördert spontane Begegnungen ebenso wie konzentriertes Arbeiten und unterstützt unterschiedliche Arbeitsstile innerhalb eines gemeinsamen räumlichen Rahmens.
Die besondere Herausforderung lag im Change-Prozess. Unterschiedliche Nutzergruppen – von klassischen Einzelbüros bis hin zu Teams mit stark dokumentationsbasierten Arbeitsweisen – mussten in eine Activity-Based-Working-Struktur überführt werden. Insbesondere Bereiche mit erhöhtem Bedarf an physischer Ablage und Musternutzung erforderten maßgeschneiderte Lösungen. Eine vorgelagerte Testphase mit ausgewählten WorkX-Elementen sowie die enge Einbindung des Betriebsrats trugen maßgeblich dazu bei, Akzeptanz zu schaffen und die Transformation schrittweise erlebbar zu machen.
Flexibilität in der Auslegung der Guidelines war dabei entscheidend: Standards wurden nicht schematisch angewendet, sondern projektspezifisch weiterentwickelt. Mit dem Einzug der ersten Teams zeigte sich der Mehrwert der neuen Umgebung unmittelbar – sowohl in der Qualität der Zusammenarbeit als auch in der räumlichen Identifikation.
Nachhaltigkeit im Bestand – Weiterbauen statt Ersetzen
Die Revitalisierung des H450 folgt konsequent dem Prinzip des Weiterbauens. Durch die Nutzung der bestehenden Tragstruktur konnte der Eingriff ressourcenschonend umgesetzt und der bauliche Fußabdruck deutlich reduziert werden.
Ein zentrales Element war der konsequente Einsatz zirkulärer Strategien: Ein Großteil des vorhandenen Mobiliars wurde in Zusammenarbeit mit regionalen Partnern überarbeitet und an die neuen Anforderungen angepasst – unter anderem durch Aufarbeitung, Neubezüge und konstruktive Anpassungen. So konnten bestehende Ressourcen erhalten und gleichzeitig in ein zeitgemäßes Gestaltungskonzept integriert werden.
Darüber hinaus wurde die technische und organisatorische Infrastruktur optimiert. Reduzierte Druckerstationen, zentralisierte Recyclingpunkte mit klar definierten Wertstoffströmen sowie eine bewusste Materialwahl tragen zur Senkung von Energieverbrauch und Abfallaufkommen bei.
Das Projekt wurde für seinen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz mit einer DGNB-Gold-Zertifizierung ausgezeichnet und steht exemplarisch für eine verantwortungsvolle Bestandsentwicklung mit ökologischer und wirtschaftlicher Perspektive.
Testfits und Workplace-Konzepte – H831 und K703
Für die Bürogebäude H831 und K703 entwickelten wir auf Basis der WorkX-Strategie umfassende Testfits und zukunftsorientierte Workplace-Konzepte. Ausgangspunkt war eine detaillierte Analyse der vorhandenen Flächenstrukturen sowie die systematische Überprüfung relevanter Kennzahlen – darunter Nutzerzahlen, Anzahl und Typologie der Arbeitsplätze sowie Besprechungsräume inklusive ihrer Kapazitäten.
Auf Grundlage dieser Daten wurden unterschiedliche Szenarien zur Flächenoptimierung und maximalen Arbeitsplatzbelegung entwickelt und miteinander verglichen. Dabei wurden die konzernweiten Workplace-Guidelines nicht nur angewendet, sondern im Dialog mit den spezifischen Anforderungen der Nutzer weitergedacht. Ein besonderer Fokus lag auf der Neuordnung von Erschließungsflächen: Durch das gezielte Öffnen von Flurbereichen konnten zusammenhängende Open-Space-Zonen entstehen, die sowohl die Effizienz steigern als auch kommunikative Qualitäten stärken.
Die Testfits dienten dabei nicht als rein schematische Layoutstudien, sondern als strategische Werkzeuge zur Entscheidungsfindung. Sie schufen Transparenz hinsichtlich Flächenpotenzialen, Nutzungsszenarien und wirtschaftlichen Auswirkungen – und bildeten damit eine belastbare Grundlage für die weitere Entwicklung der Gebäude im Bestand.
Planungstiefe – analytisch fundiert und immersiv vermittelt
Die konzeptionelle Entwicklung wurde sowohl klassisch-planerisch als auch digital vertieft. Aufbauend auf detaillierten Flächenanalysen entstanden präzise Planunterlagen und strukturierte Auswertungen, die funktionale Zusammenhänge, Kapazitäten und Effizienzpotenziale transparent machten. Parallel dazu wurden die räumlichen Szenarien dreidimensional ausgearbeitet und in hochwertigen Visualisierungen sowie animierten Kamerafahrten erlebbar gemacht.
Begehbare VR-Umgebungen ergänzten diesen Prozess und ermöglichten es den Nutzergruppen, zukünftige Arbeitswelten bereits in einer frühen Phase räumlich nachzuvollziehen. Diese Kombination aus analytischer Präzision und immersiver Darstellung schuf eine belastbare Entscheidungsgrundlage – nicht nur in funktionaler und wirtschaftlicher Hinsicht, sondern auch hinsichtlich Atmosphäre, Identität und Nutzerakzeptanz.
Strategie im Bestand
Die Projekte zeigen exemplarisch, wie sich bestehende Bürogebäude durch fundierte Analyse, klare Zielbilder und nutzerorientierte Planung transformieren lassen. Im Mittelpunkt stand stets die Frage, wie vorhandene Strukturen so weiterentwickelt werden können, dass sie zukünftige Arbeitsweisen optimal unterstützen.
Das Ergebnis sind flexible, nachhaltige und identitätsstiftende Arbeitswelten – als Beitrag zu einer resilienten Campusentwicklung im Bestand.