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Naturstein verbindet – Gewachsene Struktur wird zum Ensemble

Energetische Sanierung der Sparkasse Dieburg zum DGNB-Gold-zertifizierten Passivhaus

Die Hauptstelle der Sparkasse Dieburg in Groß-Umstadt wurde in Arbeitsgemeinschaft mit Werner Sobek Frankfurtgrundlegend erneuert und energetisch auf Passivhausstandard gebracht. Während des laufenden Betriebs erfolgten die Sanierung von Ausbau und Technik sowie die komplette Erneuerung der Fassade – ein präzise abgestimmter Eingriff in den Bestand.

Besonderes Augenmerk lag auf der architektonischen und städtebaulichen Qualität: Der vormals heterogene Gebäudekomplex präsentiert sich nun als klar gefasstes Ensemble. Die neue Natursteinfassade verleiht dem Haus eine ruhige, elegante Präsenz und verbindet die einzelnen Baukörper zu einem stimmigen Ganzen.

Das Projekt wurde nach DGNB Bestand mit Gold zertifiziert und 2016 mit dem DMK Award für nachhaltiges Bauen ausgezeichnet – eine Anerkennung für die gelungene Verbindung von Gestaltung, Energieeffizienz und verantwortungsvollem Ressourceneinsatz.

  • Projekt

    Energetische Sanierung Sparkasse Dieburg

  • Bauherr

    Sparkasse Dieburg

  • Nutzung

    Büro- und Verwaltung

  • BGF

    5.470 m²

  • Ort

    Gruß-Umstadt

  • Leistung

    Entwurf, Planung, Vergabe, Bauleitung, städtebauliche Gesamtkonzept und Gesamtkoordination

  • Wettbewerb

    2012, 1. Preis

  • Status

    Realisiert

  • Zeitraum

    2011–2015

  • Integrale Planung Energie

    Werner Sobek Frankfurt

  • Tragwerks- & Fassadenplanung

    Werner Sobek Frankfurt

  • Gebäudetechnik

    Söllner Ingenieurplanung

  • Vermesser

    Vermessungsbüro Bernd Heinen und Thilo Fischer

  • SiGeKo

    Ecoprotec

  • Fotografie

    Dirk Altenkirch, Karlsruhe

Gelungene Zusammenarbeit

Der Bauherr legte großen Wert auf eine energetisch wie technisch zukunftsfähige Lösung – auf ein Haus, das nicht nur den aktuellen Anforderungen genügt, sondern neue Maßstäbe im nachhaltigen Bauen setzt. Gemeinsam mit den Fachplanern entwickelten wir ein Konzept, das Innovation und Wirtschaftlichkeit in Balance hält. Die technische Ausstattung wurde dabei nicht als Zusatz, sondern als integraler Bestandteil der architektonischen Idee verstanden.

Im laufenden Betrieb entstand so ein Gebäude, das beispielhaft für die Sanierung von Bestandsbauten steht. Der Anspruch, Ressourcen zu schonen und gleichzeitig hohe gestalterische Qualität zu erreichen, führte zu einer planerischen Präzision, die weit über das Übliche hinausgeht. Das Ergebnis wurde mit dem DGNB-Zertifikat in Gold als erstes Bestandsprojekt in Deutschland ausgezeichnet – ein Meilenstein, der 2016 zudem mit dem DMK Award für nachhaltiges Bauen gewürdigt wurde.

Städtebauliche Integration und lokale Bezüge

Gestalterisch stand das Zusammenführen des Bestands im Mittelpunkt – einer Ansammlung von vier Gebäuden, die über mehrere Jahrzehnte hinweg entstanden waren und sich in Maßstab, Struktur und Ausdruck deutlich voneinander unterschieden. Der Bestand reichte von gründerzeitlichen Fundamenten im Untergeschoss über Ergänzungen aus den 1960er- und 1980er-Jahren bis hin zu jüngeren Erweiterungen.

Diese Heterogenität nicht zu nivellieren, sondern in eine neue architektonische Ordnung zu überführen, war eine der zentralen Strategien des Entwurfs. Ziel war es, aus der gewachsenen Vielfalt ein kohärentes Ensemble zu formen, das sowohl die Geschichte des Ortes respektiert als auch seine Weiterentwicklung sichtbar macht.

Das oberste Geschoss des fünfgeschossigen Haupthauses wurde als zurückgesetztes Staffelgeschoss ausgeführt, um die Maßstäblichkeit zu brechen und das Volumen harmonisch in die umgebende Bebauung einzubinden. So entsteht ein Gebäude, das in Proportion und Materialität gleichermaßen präzise auf seinen Ort reagiert – ein Beispiel dafür, wie aus einem vielschichtigen Bestand ein architektonisch gefasstes Ganzes werden kann.

Fotos: Dirk Altenkirch

Städtebauliche Integration und lokale Bezüge

Das Ensemble der Sparkasse wird nun von der einheitlichen Fassade mit Altenburger Kalkstein gegliedert. Die hinterlüftete Natursteinfassade wird mit geschliffenen
und auch kannelierten Oberflächen ausgeführt, die durch ihre Rücksprüngeplastische Ausformulierung eine geliederte und angemessene Gestaltung schaffen.Die Verarbeitung als auch die Oberflächenbehandlung des Materials sind auf eine dauerhafte Haltbarkeit der Fassade hin ausgelegt. Unter der Maßgabe der gestalterischen Annäherung des Gebäudekomplexes an die historische Umgebungsbebauung ist Kern der Gestaltungsstrategie, durch eine angemessene Gliederung des Baukörpers die große Baumasse zu relativieren.
Dies erfolgt nun durch Kunstgriffe der plastischen Gliederung der Fassadenzonen: Das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss werden optisch durch ein zweigeschossiges Joch mit Risaliten zusammengefasst. Hierdurch entsteht die Basis für die darüber liegende Lochfassade. Die Fensterformate und –Abstände werden aus den unteren Geschossen übertragen, wie auch bei den Häusernverschiedenen Bauteilen des Ensembles angeglichen, um den Ausdruck eines selbstverständlichen Ganzen zu erzielen.

Die Realisierung der Fassade war eine Lösung im Detail. Die Fassadenanschlüsse für die Vorgehängte Natursteinfassade musste nicht nur an die unterschiedlichen Maße der Stahlbetonskelettbauten angepasst werden. Auch die aufgrund der technischen Auslegung als Passivhaus bis zu 70 Zentimeter betragende Auskragung war für Architekten und Fachplaner eine Herausforderung. Die gesamte Fassade wurde hoch wärmegedämmt ausgeführt und ist im deutlichen Gegensatz zum alten Bestand nun wärmebrückenfrei.

 

Kundenbereiche und Büros neu gestaltet

Die komplette Sanierung erfolgte in enger Abstimmung mit den Nutzern im laufenden Betrieb in Bauabschnitten. Die Grundrisse der Kunden- und Büroflächen wurden neu entwickelt und als modernste Kombi-Flächen farbenfroh gestaltet. Auch hier lag das Augenmerk auf einer hohen innenräumlichen Qualitätsverbesserung für Mitarbeiter und Kunden.

Im Gebäudeteil aus den 1960er Jahren entlang der St.-Peray-Straße wurde die bestehende Raumbildung mit überwiegender Nutzung für Einzel- und Doppelarbeitsplätze in Teilen aufgrund von Diskretionsanforderungen weitgehend erhalten, und im Bauteil aus den 1980ern aufgrund von geänderten Anforderungen eine offene Bürostruktur mit verglasten Trennwandsystemen realisiert.

In enger Abstimmung mit den einzelnen Nutzergruppen wurde die klassische „Sachbearbeiterverzimmerung“ zugunsten einer variablen Teamarbeitsplatzstruktur verän-dert. Diese Veränderung als gravierender Eingriff in die Arbeitsweise der Mitarbeiter wurde von uns sehr behutsam und mit viel Sensibilität im Rahmen verschiedener Versammlungen und Gesprächsrunden erarbeitet und umgesetzt.

In der Folge führte diese kleine „Revolution“ in der Arbeitsweise sowohl für das Unternehmen und die Mitarbeiter zu einem positiven Ergebnis. Trotz der deutlichen Flächeneinsparung gegenüber den alten Flächenlayouts erhöhte sich die Mitarbeiterzufriedenheit in der Sparkasse nach Aussage des Betriebsrates messbar.
In allen Nutzungsbereichen wurden über diese Maßnahmen hinaus in jedem Geschoss auch Sozialbereiche mit Kaffeebar, Sitzgruppen und Loungebereich zur Verbesserung des Austausches der Mitarbeiter vorgesehen.

Eine ganzheitliche Sanierung investiert in die Zukunft des Gebäudes, indem sie die laufenden Kosten reduziert und die Lebenserwartung und die Wertigkeit des Gebäudes erhöht.

Nutzerhandbuch Sparkasse Dieburg

Nachhaltigkeit

Alle eingesetzten Baustoffe wurden auf ihre ökologischen und gesundheitsverträglichen Eigenschaften untersucht. Die eingesetzten Materialien konnten im Zuge der Sanierung mit dem zertifizierten Entsorgungskonzeptes sortenrein recycelt werden.  Die Verwendung von möglichst vielen Baustoffen aus regionaler Herstellung und Verarbeitung; z.B.s bei der Fassade und im Ausbau verbesserten z.B. auch die CO2- Bilanz der Maßnahme erheblich im Vergleich zu herkömmlicher Bauweise ohne entsprechendes Monitoring.

Technisch war ein Passivhaus mit hochwertigster Haustechnik zu realisieren. Eine Vielzahl von Datenpunkten, Steuerungs- und Controlling Technik mussten integriert werden.

Auf den Dachflächen ist eine PV-Anlag installiert. Der erzeugte PV-Strom deckt einen Teil des gesamten Strombedarfs. Durch ein konsequentes Stromsparkonzept lassen sich die jährlichen Stromkosten um 40 % reduzieren. Vor allem in den Büros kann bis zu 2/3 Strom eingespart werden.

Das Gebäude lässt sich im Sommer über Nachtspülung sehr energiesparend abkühlen. Sobald die Außenluft mindestens 4° kälter als die Innenluft ist, startet die Lüftungsanlage und kühlt das Gebäude in den Nachtstunden ab. Am nächsten Morgen sind die massiven Speichermassen entladen und halten das Gebäude tagsüber länger kühl.

Effizienz und Komfort ergänzen sich bei der Technik. Jeder Mitarbeiter kann nach seinen Bedürfnissen auf sein direktes Umfeld Einfluss nehmen: Fenster öffnen, den Sonnenschutz verstellen, das Licht oder die Heizung nach persönlichem Empfinden regulieren. Eine weder hörbare noch spürbare Lüftungsanlage sorgt dabei im Hintergrund für die gleichbleibende Konditionierung aller Räume.

Werthaltigkeit und Wirtschaftlichkeit

Gute Architektur ist nicht nur nachhaltig, sondern soll auch dauerhaft sein. Neben den städtebaulichen und gestalterischen Qualitäten bietet das Gebäude Funktionalität und ein hohes Maß an Nutzungsflexibilität. Fassade und Baukonstruktion sind Alterungsbeständig ausgelegt. 


Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit wurden bei der Hauptstelle der Sparkasse sehr gut in Einklang gebracht. Durch die Auslegung des Gebäudes als Passivhaus konnten die haustechnischen Versorgungssysteme sehr effizient und moderat bemessen werden, was die Lebenszykluskosten nachweislich reduziert. Dies kann mittlerweile durch das FM-Monitoring zusammen mit den Nutzern auch bestätigt werden. Darüber hinaus wurde in hohem Maße auf die Haltbarkeit und Gebrauchsfreundlichkeit der verwendeten Materialien und Technik geachtet, das wiederum den gesamten Lebenszyklus des Hauses erhöht. Die Rückmeldungen des Bauherrn und der Nutzer bestätigen, dass die hohen Ziele der Maßnahme erfüllt worden sind; termingerecht innerhalb des avisierten Budgets.

 

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Schmidt Plöcker Architekten PartG mbB
Dreieichstraße 59
60594 Frankfurt am Main

Tel. +49 69 9593202-0
Fax +49 69 9593202-10
mail@schmidtploecker.de

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