Technische Hochschule Gießen

Gießen, 2021

In bester Nachbarschaft - Unsere energetische Fassadensanierung für das Gebäude C10 der Technischen Hochschule in Gießen.

Das Gebäude wirkt zusammen mit dem „Zwillingsturm“ als ein, von Weitem und allen Seiten gleichermaßen, gut sichtbares und prägnantes Ensemble. Durch das Herausdrehen aus der orthogonalen Struktur des Masterplans und der Neubauten erhält es zusätzlich eine besondere Bedeutung. Das Herausdrehen spiegelt sich auch in der Fassade wider in Form der geplanten vertikalen plastischen Fassadenlisenen, die in ihrer wechselnden Ausrichtung beide Richtungen aufgreifen. Damit tritt das Gebäude mit seiner unmittelbaren Umgebung in Beziehung und ändert sich je nach Blickwinkel des Betrachters und zeigt sich immer wieder in neuem Licht, je nach Tages-Jahreszeitverlauf.


Durch die neue Außenraumgestaltung werden die Besucher direkt zu den Gebäudeeingängen gelenkt. Da sowohl die Nordfassade mit dem Haupteingang und Hochpunkt zum „Uferraum“ (Wieseck), als auch der Südeingang mit dem vorgelagerten „Campusplatz“ eine hervorgehobene Bedeutung besitzen, werden beide durch die sich öffnende Geste des
Vordaches gestärkt, das den Besucher willkommen heißt und von Weitem gut sichtbar ist. So erhält das Gebäude adäquate Zugänge, die dem Ort als Treffpunkt für Lehrende, Forschende und Studierende gerecht werden und zur weiteren Aufwertung des Hauses und des Areals führt. Die Treppenanlage wird im Süden um Sitzstufen erweitert, sodass der Platz besser eingebunden wird.

Der den Campus dominierende Baukörper wird durch eine angemessene Gliederung und Materialität im Gesamtbild der Hochschule besser eingebunden und zu einem Leuchtturm des Hochschulstandortes transformiert.

Ziel ist es, neben der rein technischen, funktionalen und energetischen Lösung, ein Bauwerk mit einem charakteristischen modernen Gesicht zu schaffen, welches zum Wahrzeichen des Hochschulcampus und dessen Mitte werden kann. Die horizontalen filigranen Bänder betonen die Geschosse, wobei das Technikgeschoss mit dem 8. OG zusammengebunden wird und der Baukörper somit einen passenden Abschluss erhält. Die vertikalen gedrehten Lisenen betonen die Höhe und Präsens des Baukörpers und lassen es eleganter erscheinen. Die Winkel der vorgesetzten Lisenen, die gleichzeitig die Führungsschienen des außenliegenden Sonnenschutzes integrieren, erzeugen eine Tiefenwirkung und sorgen für eine zusätzliche passive Verschattung. Durch die schlanken Elemente kann auch der Fensteranteil so ausgelegt werden, dass einerseits eine optimale Tageslichtausbeute vorhanden ist, mit praktikablen Öffnungsflügeln, andererseits wird der Glasanteil gegenüber dem Bestand nicht erhöht. Zudem bietet das Fassadenraster flexible Anschlussmöglichkeiten für Trennwände.

Die hintere Fassadenebene mit den Fenstern, Lüftungs- und Brüstungselementen erhalten einen gedeckten Farbton, die
Oberfläche der äußeren vertikalen und horizontalen Elemente sind in hellen und warmen Tönen gehalten und nehmen die Farben und Töne „der Stadt“ und umgebenden Gebäude auf. Die Treppenanlagen werden in die Gestaltung eingebunden und integriert – sie sind Teil des Gebäudes und werden jedoch nicht speziell hervorgehoben.