Urban, vielfältig und Vernetzt
An der Uelze verschmelzen Nachbarschaft und Stadt zu einem neuen Quartier
Man stelle sich einen Ort vor, an dem Menschen ganz selbstverständlich zusammenkommen. Wo gemeinsames Wirken und Wohnen einen lebendigen, urbanen Raum entstehen lässt. Einen Ort, dem die Menschen selbst Gestalt und Charakter geben.
Mit unserem Entwurf für das neue Quartier an der Uelzestraße, möchten wir zeigen, wie Stadt von ihrer besten Seite aussehen kann: lebendig, dicht und zugleich durchlässig. Südlich des Pelikanquartiers entsteht ein Quartier, das keine bloße Fortsetzung der bestehenden Bebauung ist, sondern Ordnung und Verbindung schafft – in einer Umgebung, die bislang von vielen Stimmen, Stilen und Epochen geprägt war. Eine gewachsene Struktur, die in unserem Entwurf neue Klarheit erhält.
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Projekt
Städtebauliche Entwicklung Uelzestraße
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Ort
Hannover
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Ausloberin
ADN Immo-Direkt Core Invest GmbH & Co. KG Geschl. InvKG
vertreten durch die:
HIH Real Estate GmbH -
Nutzung
Wohnen, Gewerbe, Dienstleistung, Kultur, Soziales
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BGF
26.375 m² (Realisierungsteil)
13.993 m² (Ideenteil) -
Leistung
Entwurf
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Wettbewerb
2025, 4. Preis
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Zeitraum
2025
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Modellbau
Modell & Co. GmbH
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Freiraumplanung
KUBUS freiraumplanung
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Visualisierung
FLOOER
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Wettbewerbsbetreuung
AS+P Albert Speer + Partner GmbH
Ein nachbarschaftlicher Mikrokosmos
Die kleinteilige Parzellierung wurde nicht geglättet, sondern aufgegriffen und übersetzt: versetzt angeordnete, C-förmige Baukörper, die nach außen klare Linien ziehen. Sie öffnen sich mit öffentlichen Nutzungen, mit Eingängen, die ins Quartier einladen, statt es abzuschotten. Und innen? Da entsteht ein Mikrokosmos, den nur die Bewohnerinnen und Bewohner richtig erleben und kennenlernen werden.
Dieser Mikrokosmos ist mehr als nur ein Hof. Er ist Nachbarschaft, Bühne, Kita und Werkhof. Co-Working und soziale Infrastruktur, Tanz- und Musikschule, Betreuungsangebote und kleine Gewerbe – das klingt fast nach einer Mini-Stadt im Quartier. Sogar Sport findet Platz: ein kleines Feld, hoch oben auf dem Dach.
Was das Ganze verbindet, ist ein Wegenetz, das erzählt. Es zieht sich wie ein Faden von Nord nach Süd, spinnt Räume aneinander – den Quartiersplatz, Gärten zum gemeinsamen Urban Gardening, einen Nachbarschaftstreff, Werkhöfe und schließlich einen „Tiny Forest“, der im Norden als Naturgeschenk daherkommt.
Zwischen all der Gemeinschaft braucht es aber auch Raum für Rückzug: private Gärten, geschützte Terrassen, naturnahe Pflanzungen als Pufferzonen. Diese Räume des Stillen geben ein leises Versprechen von Intimität inmitten urbaner Dichte.
Es ist ein Wechsel von Klarheit und Verspieltheit, von Gemeinschaft und Privatheit. Mit dem Entwurf möchten wir nicht einfach Häuser bauen, sondern Geschichten Räume geben.
Wo Dichte und Lebensqualität zusammenkommen
Am Listholze setzt der Entwurf ein deutliches Zeichen. Der Hochpunkt mit vorgelagertem Quartiersplatz bildet nicht nur das Entrée für Ankommende aus Richtung „Vier Grenzen“ und der Podbielskistraße, sondern übernimmt auch eine zentrale Verteilerfunktion in die angrenzenden Quartiere und Höfe.
Die Gebäudeformation erzeugt eine Abfolge kompakter und weiter Räume. Trotz der hohen Dichte entsteht so eine offene Atmosphäre mit guten Sichtbeziehungen, die die Freiräume untereinander vernetzt. Die abgestufte Höhenentwicklung sorgt für eine angenehme Sonneneinstrahlung, während zurückgesetzte Obergeschosse Balkone und Terrassen besser schützen und mehr Privatsphäre ermöglichen.
Hinter der Formensprache verbirgt sich eine Infrastruktur, die den Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner erleichtert: Fahrradstellplätze sind dezentral und gut in das Freiraumsystem integriert. Sharing-Angebote sowie überdachte Stellplätze sind über zwei Tiefgaragenrampen und Lastenaufzüge erschlossen. Feuerwehrzufahrten verschwinden gestalterisch im Grünraum, die Beläge aus unterschiedlichen Rasengittersteinen machen den funktionalen Anspruch nicht sofort sichtbar.
Selbst beim Müllsystem wurde an Effizienz gedacht: Unterirdische Container in Straßennähe vermeiden das übliche Bild abgestellter Tonnen im öffentlichen Raum.
Unser Entwurf zeigt, wie sich Dichte, Alltagstauglichkeit und gestalterische Qualität verbinden lassen. Kein spektakuläres Experiment, sondern eine klare, durchdachte Lösung für einen urbanen Stadtraum.
Quartiere und Grünräume
Wohnen und Arbeiten
Arbeiten, wohnen und leben in zeitgemäßer Balance
Klarheit und Flexibilität sind die Basis unserer Grundrisse, die den Bewohnerinnen und Bewohnern die Freiheit geben, Räume entsprechend der eigenen Bedürfnisse zu nutzen. Damit schaffen wir zudem die Grundlage für ein lebendiges, vielfältiges Quartier. In den mittleren Zonen, wo Tageslicht begrenzt einfällt, sind Nebenräume, Bäder und Sanitäreinheiten angeordnet. So bleiben die Fassaden hell, offen und nutzungsneutral – ideale Voraussetzungen für ein wohnliches und anpassungsfähiges Umfeld.
Das Wohnangebot spiegelt die Vielfalt urbanen Lebens wider: kleine Wohnungen, die Arbeit und Wohnen kombinieren, barrierefreie und rollstuhlgerechte Einheiten, klassische 3- bis 4-Spänner, Eckwohnungen, Laubengang-Wohnungen sowie WG- und familiengerechte Wohnungen mit privaten Freibereichen. Gemeinschaftlich genutzte Dachgärten schaffen Orte, an denen man als Nachbarschaft zusammenkommt, sich austauscht oder einfach die Sonne genießt.
Besonders im Erdgeschoss zeigt sich die durchdachte Mischung aus Wohn- und Arbeitsräumen. Hier kann man wohnen, arbeiten, gründen oder kreativ sein – von Kleingewerbe über Studio-Wohnen bis hin zum Home-Office. Lebens- und Arbeitswelten durchmischen sich organisch, ohne die Qualität des Wohnens zu beeinträchtigen. Das Quartier reagiert damit auf gesellschaftliche Bedürfnisse, bleibt aber flexibel genug, um sich auch künftigen Anforderungen anzupassen.
Der Entwurf nimmt nicht nur einfach Räume in den Blick, sondern Möglichkeiten: Orte, an denen Menschen wohnen, arbeiten, nachbarschaftlich leben und sich entfalten können – flexibel, durchdacht und zukunftsorientiert.
Zukunftsfähigkeit braucht Flexibilität
Die kompakte Bauweise bildet das Herzstück des Entwurfs: Sie sorgt für ein effizientes Verhältnis von Hüllfläche zu Volumen und ermöglicht eine hohe Flächenausnutzung. Treppenhäuser sind so positioniert, dass sie den Wohnraum optimal erschließen. So entsteht ausreichend Raum für Bewegung, aber nicht auf Kosten der Wohnungen. Kleinere Einheiten und überschaubare Hausgemeinschaften schaffen soziale Nähe und bieten die Chance auf bezahlbaren Wohnraum.
Die Grundrisse sind klar strukturiert und wirtschaftlich elementiert, ideal für hybride Holzkonstruktionen. Das System ist flexibel genug, um auf veränderte Nutzungsanforderungen – von Home-Office bis Familienzuwachs – zu reagieren. Besonders zukunftsweisend ist die sortenreine Trennung der Materialien: Sie macht das Gebäude langfristig recycelbar und eröffnet die Grundlage für ein nachhaltiges Kreislaufkonzept. So entsteht mehr als nur ein Baukörper: ein flexibles, effizientes und nachhaltiges Zuhause, das technische Raffinesse mit zeitgemäßem Lebensgefühl verbindet.
Fließende Übergänge zwischen Garten, Gebäude und Gemeinschaft
Die C-förmigen Gebäude knüpfen an die städtebauliche Struktur an und definieren klare Raumkanten für Innenhöfe, Plätze und Gärten. Straßenseitig orientieren sich die Fassaden am südlich angrenzenden Bestand und greifen gestalterische Elemente wie Strukturen, Zierelemente, Loggien, Traufhöhen und die markante Sockelgestaltung auf. In Kombination mit der ausgewählten Materialität – Klinker, eingefärbter Recyclingbeton und Putz – entsteht so ein eigenständiger Stadtbaustein, der die unmittelbare Umgebung harmonisch ergänzt.
Zum Innenhof hin öffnen sich die Fassaden und schaffen direkte Bezüge zum Freiraum: Balkone und Terrassen erweitern die Wohnbereiche nach außen, während Materialien wie Holz, Stahl und textile Markisen den Hofseiten eine warme, einladende Atmosphäre verleihen. Der massive Sockelbereich geht in eine offene Stützenstruktur über, die einen fließenden Übergang zwischen Gebäude und Hof ermöglicht und die Freiräume erlebbar macht.
Mit Weitblick gedacht und für das Morgen gewappnet
Die Bauteile des Quartiers sind auf Langlebigkeit ausgelegt, sortenrein demontierbar und recycelbar – ein Ansatz, der die Nachhaltigkeit der Bebauung langfristig sichert. Flexible Grundrisse ermöglichen Nutzungsänderungen und erleichtern spätere Sanierungen, wodurch der CO₂-Fußabdruck deutlich reduziert wird. Sowohl für Wohnen als auch für Gewerbe lassen sich vielfältige Nutzungskonzepte umsetzen. Das Ziel: ein GWP von maximal 12 kg CO₂-Äquivalent pro Quadratmeter und Jahr. Die Versorgung erfolgt über Fernwärme und Photovoltaik, eingebunden in ein durchgängiges, nachhaltiges Energiekonzept, das Effizienz und Zukunftsfähigkeit verbindet.
Klimafreundliche Gestaltung für ein widerstandsfähiges Quartier
Um Starkregenereignisse abzufedern und Hitzeextreme durch Verdunstung zu mildern, werden, wo möglich, Retentionsdächer und Dachbegrünungen eingesetzt. Ergänzend kommen an geeigneten Stellen Rigolensysteme zum Einsatz, die Niederschlagsspitzen gezielt aufnehmen. Ein Belagssystem mit hohem Fugenanteil unterstützt die Versickerung von Oberflächenwasser und reduziert so die abzuführenden Mengen deutlich. Bäume und Großsträucher tragen zusätzlich zur Abkühlung bei, indem sie Schatten spenden und Verdunstungseffekte verstärken. Ein robustes, naturnahes und artenreiches Pflanzkonzept – weitgehend ohne klassische Rasenflächen – fördert nicht nur die Biodiversität, sondern strukturiert die Freiräume klar und schafft eine wohnliche, atmosphärisch dichte Umgebung.